Die Beziehung zwischen Raum und Grafik fasziniert mich seit langem. Einem roten Faden gleich prägte sie von jeher diverse
meiner Projekte. Ich bezeichne diese Arbeiten als ‘Raumgrafik‘.Kunstgeschichtlich hat das Aufbringen von Informationen,
Zeichen und Illustrationen auf Wände und Raumtextilien eine lange Tradition. Dennoch haben sich Architektur und Grafik
bei ihrer Spezialisierung weit auseinander bewegt und werden teilweise sogar als Widerspruch wahrgenommen. Signaletik
scheint heute der einzige gängige Berührungspunkt der beiden Disziplinen.
Für mich symbolisiert der Begriff Raumgrafik ein inspirierendes Spannungsfeld, das durch unsere individualistische Gesellschaft
eine völlig neue Aktualität gewonnen hat. Und mit Grafik meine ich hierbei die ganze Bandbreite zwischen Typografie und
Illustration.Von den ersten skizzenhaften Höhlenmalereien über illustrative Dekors in den römischen Villen von Pompeii und
Oplontis, von zeichenhaften Symbolen auf den Tipis der Indianer bis hin zu opulenten Gobelins in den barocken Palästen:
Wände und raumbildende Textilien waren seit Urzeiten Träger von illustrativen Informationen, erzählen Geschichten, die die
Bewohner erlebt haben oder gerne erleben würden. Die Oberflächen der Räume sind Projektionsflächen ihrer Bewohner und
deren Träume.
Hier setzt meine Definition für eine heutige Raum-grafik an: Sie wird zum Kristallisationspunkt der Individualität der
Bewohner und deren spezifischem Kontext, also der Architektur und dem Umfeld. Raumgrafiken sind Unikate.
Wohnungen sind längst zu Symbolen der Identifika-tion und Repräsentation geworden. Symbolträger sind dabei heute vor
allem Möbel, Leuchten und Textilien. Designer werden gezielt als Stars vermarket, damit ihre Produkte Image transportieren.
Doch wirklich individuell ist dabei oft nur die Zusammenstellung der allseits bekannten Designobjekte. Der Boom von
Vintage-Möbeln und Editionen scheint eine logische Konsequenz und ist für mich Spiegelbild des Be-dürfnisses nach Unikaten.
Oft ist die Geschichte, wie der Besitzer zu seinem Sammlerstück gekommen ist, wichtiger als das Objekt selbst.
In meine Raumgrafiken fliessen einerseits die durch Gespräche und Moodboards eingefangenen Ge-schichten, Träume und
Vorlieben der Bewohner ein. Andererseits ist für mich die Auseinandersetzung mit der Architektur, den Architekten aber auch
dem Umfeld und den ‚Ausblicken‘ aus den Räumen ent-scheidend. So entstehen collagenhafte Landschaften auf Wänden oder
Vorhängen. Die raumbildenden Elemente werden zu Informationsträgern und erwei-tern den Raum. Sie werden zu Vermittlern
zwischen dem Innenleben der Bewohner, dem Wohn- und Aussenraum; Unikate aus Ort und Individuum.
Trix Barmettler / raumgrafik, T +41 76 397 40 51, Nydeggstalden 12, 3011 Bern
weitere Arbeiten unter www.trix-it.com
all works © by Trix Barmettler 2011
